Spendenaufruf des Förderkreises für kirchenmusikalische Aufbauarbeit

  
 

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Ungarn, ein Bollwerk der Menschlichkeit!

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Ungarn (ungarisch: Magyarországi Evangélikus Egyház) umfasst in rund 230 Gemeinden etwa 200.000 Mitglieder. Ungarn selber hat über 9 Millionen Einwohner, davon sind ungefähr 3,8 Millionen Katholiken, 1,1 Millionen Reformiert und ungefähr 4,5 Millionen bezeichnen sich als ohne Religion oder machen keine Angabe. Seit 1972 kennt die lutherische Kirche die Frauenordination und ist Mitglied unter anderem im Ökumenischen Rat der Kirchen, im Lutherischen Weltbund und der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa. Ihr Amtssitz ist in Budapest. Die Gemeinden selbst sind über ganz Ungarn verteilt. Viele Gemeinden sind sehr klein, auch in Ungarn ist ein starkes „Stadt-Land-Gefälle“ zu beobachten.

Jede Gemeinde ist eine rechtlich unabhängige Einheit. Sie verwaltet sich selbst auch finanziell. Die Gemeinden werden von einer Pfarrerin bzw. einem Pfarrer geleitet, die in rechtlichen und administrativen Fällen die Gemeinde gemeinsam mit dem Gemeindekurator vertreten. Jede Gemeinde hält ihre Gottesdienste und führt ihr Leben vor Ort, wo jeder herzlich willkommen ist.

Die ELKU und ihre Gemeinden betreiben ein großes Netzwerk an Bildungseinrichtungen. Gegenwärtig gibt es 53 Institutionen, darunter Kindergärten, Grund- und Mittel-, Fach- und Berufsschulen sowie Studentenheime.

Die evangelisch-lutherischen Schulen setzen sich das Ziel, auf hohem Niveau und in einer modernen Lernumgebung unterschiedliche Gemeinschaften zu fördern, die jedoch auf demselben Grund stehen: dem des lutherischen Glaubens.

Das religiöse Leben an den Schulen wird von Schulpfarrerinnen und Schulpfarrern geleitet.

Die Ausbildung der Pfarrer, der Kirchenmusiker und des diakonischen Fachpersonals findet an der Evangelisch-Lutherischen Theologischen Universität in Budapest statt. Die ELKU ist auch Teil des Netzwerkes des Christlichen Roma-Fachkollegiums, das Jugendliche – sowohl Roma, als auch Nicht-Roma – in ihrer Bildung unterstützt und fördert, damit sie eine Chance für einen Studienplatz im Hochschulwesen bekommen.

Die diakonische Arbeit der ELKU wird in 40 Einrichtungen ausgeführt, was Verpflegung und Hilfeleistung für mehr als 8000 Menschen bedeutet. Viele davon sind Pflege- und Altersheime, in denen neben Älteren auch Menschen mit Behinderungen oder jene, die kein Zuhause mehr haben oder wegen Familiengewalt nicht mehr nach Hause gehen können, begleitet werden.

Und wo ist nun das Bollwerk? Ein offene Kirche ist in totalitärem Umfeld an sich schon ein Bollwerk. Wenn die Kirchenleitung eine eigene, deutlich von der offiziellen Linie abweichende Meinung zu wichtigen Fragen vertritt, zeugt das vom Mut zum Widerstand: Gegen unmenschlichen Umgang mit Geflüchteten, mit klaren Voten zum Krieg in der Ukraine oder dem Konflikt in Berg Karabach. Für uns in Deutschland noch fast selbstverständlich (auch wenn sich gerade ähnliche Wolken am blauen Himmel auftürmen), aber in Ungarn führt das zumindest zum Verlust von staatlichen Privilegien und Geldern.

Die lutherische Kirchenmusik in Ungarn

Die Tradition einer sehr musikliebenden Kirche bringt es mit sich, dass an etlichen Gemeinden (vor allem in den Städten) professionell ausgebildete Personen für die Kirchenmusik verantwortlich sind. So kann sich die lutherische Kirche auf einen kompetenten Pool von Menschen verlassen, die in der Ausbildung tätig sein können. Durchaus auch ausserordentlich ist die Tatsache, dass es verteilt über Ungarn mehrere lutherische Schulen gibt. Hier besteht ein guter Anknüpfungspunkt dafür bereits Kinder und Jugendliche für die Kirchenmusik zu begeistern.

In Fót nur etwa 25 Kilometer ausserhalb von Budapest besitzt die Kirche eine wunderbare Villa, die zur Heimat der Kirchenmusik wurde.

Hier finden jedes Jahr mehrere Kurs- und Singwochen statt, Sitzungen, Konferenzen und Besprechungen. Es wird geplant und erörtert und ein Hauptthema ist immer wieder: „Wie optimieren wir den Platz im Haus“. Es braucht mehr Unterrichtsräume, es braucht mehr Übernachtungsplätze. Provisorisch wurde bereits die Garage des Nachbarhauses zu einem Schlaf- und Unterrichtsraum. Inzwischen sind auch die letzten „Hohlräume“ unter dem Dach zu Unterrichts- und Überäume ausgebaut. In jedem Eck steht ein Klavier und viele Harmonien. Es gibt etliche Übeorgeln (sowohl Pfeifenorgeln wie auch digitale Instrumente) und während der Kurswochen ist das Haus ein klingendes Chaos. Es summt und brummt! Ein engagiertes Team sorgt dafür, dass der Betrieb reibungslos funktioniert: Dr. Bence Gábor als Direktor, Pócs Miklós ist die Rechte Hand des Direktors und führt auch das Sekretariat, Dr. Zsuzsa Ecsedi ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und leitet die Bibliothek. László Sohan als Hausmeister sorgt mit einem fleißigen Team aus freiwilligen Helferinnen dafür, dass alles in top Zustand ist, dass die Gruppen genügend zu essen bekommen und dass das Haus immer blitz blank ist.

Während der Kurswochen sorgt ein kompetentes Team aus Dozenten für inspirierenden Unterricht. Viele dieser Dozenten reisen extra aus dem Ausland an, wo sie inzwischen Arbeit und Auskommen gefunden haben.

Die Stellensituation für KirchenmusikerInnen in Ungarn

In Ungarn gibt es keine hauptamtlichen Kantorinnen und Kantoren. Die Kirchenmusikerinnen werden auf Honorarbasis bezahlt (ca. 12-24 Euro pro Gottesdienst in Budapest). Viele Landgemeinden sind sehr klein. Da gibt es durchaus auch etliche Gemeinden mit ehrenamtlichen OrganistInnen. Trotzdem haben viele Gemeinden ihren eigenen Chor. Um für diese kleinen Stellen weiterhin Kirchenmusik-Nachwuchs zu bekommen, ist die Kirchenmusikschule ein wunderbares „Reservoir“. Wer Kirchenmusik studieren möchte, kann das an der lutherischen Universität machen oder an einer der staatlichen Musikhochschulen. Ähnlich wie andere Länder in der Region hat auch Ungarn ein sehr gut ausgebautes System an Musikschulen und Konseravtorien (Musikfachschulen), die hervorragend die instrumentalen Kompetenzen ausbilden.

Was für die Kirchenmusik aber sehr wichtig ist, es gibt in diesem Ausbildungsbereich sehr wohl hauptamtliche Stellen. Zur Zeit zwei Stellen in Fót und zwei Stellen an der lutherischen Universität. Beide Institutionen können auf einen großen Pool von Dozierenden zurückgreifen.

 

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen!

Die Kirche stirbt! – Oder doch nicht? Auf jeden Fall scheint mir die evangelisch lutherische Kirche in Ungarn sehr lebendig. Davon konnte ich mich in den letzten Jahren bei mehreren Besuchen überzeugen.

Die Kirche, zu der sich etwas mehr als 2% der ungarischen Bevolkerung bekennen, spielt eine wichtige Rolle insbesondere im Bereich Bildung (Schulen), Musik und Diakonie. Sie ist dem Staat oft ein unbequemer Partner und vertritt ihre Standpunkte klar. Das macht es im momentanen politischen Umfeld in Ungarn manchmal schwer.

Die im Bereich Musik engagierten Menschen, die Unglaubliches mit wenigen Mitteln leisten, haben unsere Unterstutzung verdient, damit insbesondere die grosartigen Angebote fur Kinder und Jugendliche weiter verbessert werden können.

Wer sich als Erwachsener in der lutherischen Kirche engagiert, hat seine Liebe und Bindung zur Kirche in den allermeisten Fallen beim Besuch von Sing- und Ausbildungswochen in Fot gefunden.

Hier investieren wir in die Samen, die die Fruchte der Zukunft sind!

Herzlichen Dank für Ihre Unterstutzung im Namen unserer Freunde in Ungarn!

Überlingen am Bodensee, im Oktober 2024

  

KMD Thomas Rink

Spendenbeauftragter

KMD Peter Ammer

Vorsitzender
 
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Verwendungszweck:
0260.2210 Förderkreis für kirchenmusikalische Aufbauarbeit

Ab einer Spendenhöhe von 200,- € stellen wir automatisch eine Spendenbescheinigung aus. Nichtmitglieder bitten wir um Hinweis über Ihre Adresse an unsere Geschäftsstelle.

 
Weitere Informationen zum Förderkreis für kirchenmusikalische Aufbauarbeit finden sich auf dessen Webseite.